Hier einige (Kurz) Geschichten mit tiefsinnigem Hintergrund:
Die weise Frau:
Es war einmal ein Mann, welcher eine Reise unternahm. Er kam im Verlauf selbiger Reise zu einer alten, weisen Frau, welche ihm Obdach in ihrer Hütte bot. Er wollte ihr danken und fragte sie nach ihrem Namen. Sie antwortete "Namen? Brauche ich denn einen? Ich hatte so viele Namen" und in jenem Moment erschrak er, denn in ihren Augen sah er hunderte Personen. Eine Mutter, eine Kriegerin, eine Hebamme, eine Hexe, eine Köchin, eine Geliebte, eine Magd, eine Königin, eine Heilige etc.
Er beschloss, eine weile bei dieser Frau zu bleiben, die so viele Personen verkörperte und sie nutzte die Zeit um ihn zu lehren. Schliesslich kam der Tag, an dem sie ihm 3 Steine in die Hand drückte. Sie sagte "Der Baum dort hinten, der grosse in 20 Metern Entfernung. Siehst du ihn?" "Ja" "Du hast 3 Würfe - mit einem davon musst du den Baum treffen, sonst ist unsere gemeinsame Reise zu Ende." Nervös warf der Mann und verfehlte. Sie sprach "Du warfst zu weit links. Wenn du deine innere Mitte finden willst, musst du jetzt bewusst um soviel nach rechts werfen, wie du zuvor nach links geworfen hast" Er warf - die Richtung stimmte, aber der Wurf war zu schwach. Zitternd hob er an, den letzten Stein mit aller Kraft zu werfen. Lächelnd nahm sie seine Hand, führte ihn direkt vor den Baum und sagte "Ich habe nie von dir verlangt, dass du es dir so schwer machen musst"
Der Bauer:
Es war einmal, vor einer langen Zeit in einem fernen Land, ein alter Bauer. Der Bauer war arm und hatte nicht viel. Eines Tages lief sein einziges Pferd davon und die Bewohner des Dorfes kamen zu ihm und sprachen "Oh du armer Bauer, welch ein Unglück!" Er sagte "Ob gut, ob schlecht, wer kann das schon sagen"
Wenige Tage später kam das Pferd zurück. Es hatte sich mit einigen Wildpferden angefreundet die alle mit ihm kamen und der Bauer war nun Reich und hatte viele Pferde. Und die Menschen im Dorf beneideten ihn und sagten "Oh du glücklicher Bauer, wie sehr du dich freuen musst."
Er aber sprach "Ob gut, ob schlecht, wer kann das schon sagen"
Und es kam, dass sein einziger Sohn sich beim zureiten der Wildpferde verletzte. Er stürzte vom Pferd und brach sich das Bein, so dass er viele Monate nicht würde auf dem Hof helfen können, ausgerechnet zur Ernte, die der Bauer allein nie schaffen würde. Und die Leute kamen zum Bauern und sagten "Welch Tragödie! Oh du armer Bauer." Er zuckte mit den Achseln und sprach "Ob gut, ob schlecht, wer kann das schon sagen."
Und es brach Krieg über das Land herein, Soldaten kamen und nahmen alle Söhne des Dorfes mit, auf dass sie im Krieg kämpften und starben. Nur der Sohn des Bauern wurde nicht mitgenommen, denn aufgrund des gebrochenen Beines war er für die Armee nicht zu gebrauchen.
Die Kunst des kampflosen Sieges:
In Japan lebte einst ein grosser Schwertmeister. Er war berühmt, noch nie besiegt worden zu sein. Er war der beste Schwertkämpfer seiner Zeit, gefürchtet von seinen Feinden, bewundert von seinen Freunden. Dieser mächtige Krieger nahm eine Fähre auf eine der Inseln Japans. An Bord der Fähre sah er einen einfach gekleideten Mann, der 2 Schwerter trug. Der Krieger ging zu dem Mann und sprach "Du trägst 2 Schwerter, das ist selten. Sicherlich kannst du hervorragend mit ihnen umgehen. Was ist dein Stil?" Und der Mann antwortete "Die Kunst des kampflosen Sieges"
Der Krieger war verwirrt, denn das hatte er noch nie gehört. Er zückte seine Waffe und sprach "Zeig mir deine Kunst, lass uns kämpfen!" Der Mann hob die Hand und sprach "Hier sind zu viele Menschen die verletzt werden könnten. Lass uns den Fährmann bitten, an einer kleinen unbewohnten Insel zu halten. Dort will ich dir meine Kunst zeigen." Und so wurde es getan. Der Fährmann steuerte eine kleine Insel an. Der Krieger sprang mit gezogener Waffe auf die Insel und wartete, kampfbereit. Der weise Mann nahm schnell ein Ruder und stiess die Fähre vom Land ab. Als die Fähre davon fuhr, rief er dem Krieger zu "Das ist meine Kunst des kampflosen Sieges"
Die kleine Seele:
Im Himmel war eine kleine Seele, die immer sehr fröhlich und glücklich war. Sie strahlte und erfreute alle anderen Seelen. Eines Tages beschloss die kleine Seele, sie wolle das Vergeben lernen. Und sie freute sich. Doch dann hielt sie inne und begann bitterlich zu weinen. So herzergreiffend weinte sie, dass eine andere Seele zu ihr kam und fragte "Warum weinst du denn, kleine Seele?" "Ich will Vergeben lernen, aber das kann ich nicht. Dafür brauche ich ja jemanden, der mir was ganz ganz schlimmes antut, damit ich es vergeben kann." Die andere Seele überlegte und sprach schliesslich "Liebe kleine Seele. Ich hasse es böse Dinge zu tun und ich will dich nicht verletzen, denn ich liebe dich. Aber eben weil ich dich so sehr liebe, will ich dir helfen dir deinen Wunsch zu erfüllen." Die kleine Seele hörte auf zu weinen und fragte "Wirklich?" "Aber ja, liebe kleine Seele. Auch wenn ich nicht gerne Anderen weh tue, will ich dir helfen. Lass uns auf die Erde gehen und Körper annehmen. Dann werde ich dir auf der Erde etwas ganz schlimmes antun, damit du es mir verzeihen kannst." Die kleine Seele freute sich und jubelte und lachte und umarmte die hilfsbereite Seele. Diese sagte jedoch "Aber du musst mir eines versprechen, kleine Seele. Wenn wir auf der Erde sind, musst du mir vergeben. Erinnere dich stets daran, dass ich dir etwas antue, weil ich dich liebe und dir helfen möchte. Denn wenn du das vergisst, wirst du mich hassen und wir würden beide furchtbar leiden." Die kleine Seele versprach es und so gingen die beiden auf die Erde...
Die 2 Engel:
Es waren einmal 2 Engel, ein erfahrener und ein sehr junger, welche die Erde bereisten um sie sich anzusehen und damit der jüngere Engel etwas lerne. Sie nahmen die sterblichen Körper von Menschen an und wanderten. Im Laufe ihrer Wanderungen kamen sie an einem sehr stürmischen, regnerischen Abend an eine grosse Burg. Drinnen roch es herrlich nach Braten und einladender Feuerschein eines Kamins versprach wärme. Sie klopften an und ihnen wurde aufgetan. Als der Schlossherr sie in ihrer armen Kleidung sah, verschloss er die Tür. Die Engel flehten, er möge ihnen Obdach gewähren, bis zum morgen, sie würden auch keine Last sein. Schliesslich erbarmte sich der Schlossherr und liess die beiden im Stroh des Stalles, bei seinen Schweinen schlafen, ohne ihnen auch nur hartes Brot zu geben. Sie schliefen tief und fest. Am nächsten Morgen erwachte der jüngere Engel und sah den älteren Engel, wie dieser ein Loch in der Mauer des Stalles reparierte und sagte empört
"Dieser Mensch hat so viel Geld und Wohlstand und gibt uns weder ein Bett noch Brot und du reparierst ihm dafür auch noch die Wände?" Der ältere Engel führte seine Arbeit fort und sprach "Es ist nicht alles so, wie es scheint." Dann führten sie ihre Reise fort.
Sie kamen an einem milderen Abend zu einem Bauernhof, der sehr sehr ärmlich wirkte. Sie klopften an und der Bauer öffnete ihnen. Er sah die beiden Landstreicher und bat sie herein: "Kommt ihr Ärmsten. Setzt euch an mein Feuer, es soll euch wärmen. Meine Frau und ich haben nicht viel, doch was wir haben teilen wir gerne." Seine Frau war ebenfalls sehr nett und kochte Gemüse und machte Eintopf. Es war eine einfache Mahlzeit, mit Liebe zubereitet und wohlschmeckend. Dann sagte sie "Ihr seid sicherlich erschöpft von der Reise. Mein Mann und ich werden heute im Stall schlafen, nehmt ihr unser Bett. Und nehmt noch Brot mit auf die Reise" und gab ihnen den einzigen Laib den sie noch hatten.
Die Engel nahmen das Angebot dankend an. Am nächsten Morgen erwachte der jüngere Engel und hörte den Bauern und seine Frau bitterlich weinen. Er fragte was passiert sei und sie sagten ihm, in der Nacht wäre ihre einzige Kuh verstorben. Sie wüssten nicht, wie sie sich jetzt ernähren sollten, aber dass es weitergehen würde und baten den Engel, sich nicht zu Sorgen.
Die Engel gingen weiter und als sie etwas vom Hof entfernt waren, fuhr der jüngere Engel den älteren Engel an "Dem Geizhals der uns gedemütigt hat hast du geholfen und diese beiden armen, lieben Menschen die uns so viel gegeben haben, lässt du leiden und rettest nicht einmal ihre einzige Kuh!" Der ältere Engel sagte nur "Es ist nicht alles so, wie es scheint." Der jüngere Engel wurde wütend "Du lässt die Guten leiden und hilfst den Bösen? Du bist kein Engel, du bist ein Monster!"
Da erhob der ältere Engel seine Stimme: "Der Besitzer des Schlosses hatte es geerbt. In dem Loch, das ich reparierte, hatte der verstorbene Vorbesitzer seine ganzen Schätze versteckt. Hätte ich es nicht versiegelt, hätte der Mann die Schätze gefunden und damit viel Leid verursacht.
Und gestern Nacht, als du schliefst, kam der Engel des Todes um die Frau des Bauern zu holen. Ich flehte ihn jedoch an, er möge stattdessen die Kuh nehmen. Es ist nicht alles so, wie es scheint."
Der Junge der keinen Zucker mehr essen sollte:
Es war einmal eine Frau. Sie hatte einen Sohn der Tag ein, Tag aus Zucker aß. Das machte sich auch an seiner Gesundheit bemerkbar doch alles was sie versuchte half nicht. Er hörte nicht auf sie und aß weiterhin Zucker. Da entschloss sie sich mit ihrem Sohn zum weisen Mann auf den Berg zu gehen. Und sie sagte „Weiser Mann, du bist allgemein respektiert für deine Weisheit und mein Sohn hört auf dich. Kannst du ihm sagen, er solle keinen Zucker mehr essen?“ Der Weise überlegte und sagte „Kommt in 2 Wochen wieder“.
Die Frau ging, verwirrt, mit ihrem Sohn wieder nach Hause und er aß weiterhin Zucker. 2 Wochen vergingen und die beiden gingen wieder zum Weisen auf den Berg und die Frau sprach „Bitte sag meinem Sohn er soll keinen Zucker mehr essen oh weiser Mann, denn dein Wort respektiert er.“ Und der weise Mann beugte sich zum Sohn und Sprach „Iss keinen Zucker mehr.“ Verwirrt fragte die Frau ihn „Hättet ihr ihm das nicht schon vor 2 Wochen sagen können?“ Da antwortete der weise Mann „Nein. Da habe ich selber noch Zucker gegessen.“
Was wiegt eine Schneeflocke?
Es war Winter und es schneite mit dichten Flocken. Im Wald saß eine Wildtaube auf einem Baumzweig. Still betrachtete sie das Schneetreiben. Eine Tannenmeise setzte sich neben sie: "Guten Tag",
sagte die Tannenmeise. "Ich grüße dich", erwiderte die Wildtaube.
"Die ganze Welt schneit ein", sagte die Tannenmeise. "Es kommen einem die seltsamsten Gedanken und Fragen bei diesem Wetter. Was meinst du, Wildtaube, was wiegt eine Schneeflocke?"
Die Wildtaube guckte in die Luft und verfolgte eine Schneeflocke nach der anderen, die langsam zu Boden fielen.
"Eine Schneeflocke ist so leicht, dass sie rein gar nichts wiegt", antwortete sie.
"Das habe ich auch gedacht"sagte die Tannenmeise. "Aber es stimmt nicht."
"Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien begann, lautlos und ohne Schwere, sowie jetzt. Ich zählte die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes
fielen und daran hängen blieben. Du musst wissen, ich bin sehr flink. Genau 3741952 Schneeflocken waren es. Als die nächste Schneeflocke niederfiel - nicht mehr als ein Nichts - brach der Ast
herab. Denn die Schneelast war zu schwer geworden."
Die Wildtaube schwieg und dachte lange nach...
Der Krug mit dem Sprung
Es war einmal eine alte Frau, die hatte zwei große Krüge. Diese waren an den Enden einer Stange befestigt, die sie über ihren Schultern trug.
Einer der Krüge hatte einen Sprung,
während der Andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste.
Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war der Krug mit dem Sprung jedoch immer nur noch halb voll.
Zwei Jahre lang geschah dies täglich:
Die alte Frau brachte immer nur anderthalb Krüge Wasser mit nach Hause.
Der makellose Krug war natürlich sehr stolz auf seine Leistung,
aber der Krug mit dem Sprung schämte sich wegen seines Makels und war betrübt.
So sprach der Krug zu der alten Frau:
“Ich schäme mich so wegen meines Sprungs,
aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.”
Die alte Frau lächelte.
“Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen,
aber auf der Seite des makellosen Kruges nicht?
Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät,
weil ich mir deines Fehlers bewusst war.
Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen.
Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken.
Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist,
würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.”
vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit
- David

