Die Psychologie gilt als eine der jüngsten Wissenschaften, wenn nicht die Jüngste, da sie erst im 19. Jahrhundert als Wissenschaft erkannt wurde und erst im 20. Jahrhundert durch Freud, Adler und Frankl wirklich "begründet" wurde. Das gilt für die wissenschaftliche Meinung der westlichen Welt. In der Tat ist die Psychologie eine der ältesten, wenn nicht gar die älteste Wissenschaft, der Welt. Im Orient finden wir in den Lehren des Yoga bereits alle psychologischen Lehren, die wir heute im Westen kennen sowie viele weitere Praktiken und Wissen, welches uns im Westen noch unbekannt ist. Nicht weiter verwunderlich wenn man bedenkt, dass uns die Psychologie erst seit knapp 200 Jahren bekannt ist, wobei sie im Orient seit mindestens 6000 Jahren erforscht wird. Wenn wir von der Hermetik ausgehen, kann man die Psychologie auf mindestens 10 000 Jahre Alter datieren.

Es ist eigentlich seltsam, dass gerade die Psychologie in der Magie oft etwas lächerliches sieht, doch es ist tatsächlich so.

Wo die Psychologie Begriffe wie Es, Ich, Überich, Unterbewusstsein etc. benutzt, verwendet die Magie Begriffe wie "Körperbewusstsein" "Ich" "Ichselbst" oder altertümlicher "Astralkörper" "Mentalkörper" "Lichtkörper"

 

Abgesehen davon, dass die magische Psychologie bei weitem älter ist als die westliche, ist sie bei der Vorbeugung, Behandlung und Nachbehandlung psychischer Probleme & Krankheiten weit effektiver und kommt gänzlich ohne Medikamente aus. In der Tat werden in Psychiatrien kaum Therapien angeboten sondern meist nur Medikamente verabreicht, welche den Körper derart schädigen, dass er die Fähigkeit Emotionen oder Gedanken auszudrücken verliert. Die Emotionen & Gedanken die der Behandlung bedürfen verschwinden dabei keineswegs, lediglich die Fähigkeit sie auf materieller Ebene auszudrücken wird dadurch blockiert.

 

In der Magie sind zahlreiche einfache aber auch komplexe Methoden in Gebrauch, welche seelischem wie geistigem Leid und selbigen Krankheiten effektiv entgegenwirken und vorbeugen. In manchen magischen Traditionen, vor allem jedoch in der Hermetik, wird als eine der ersten Aufgaben, bevor das Studium der Magie eigentlich beginnt, die "Charakterveredelung" angestrebt. Diese bedeutet, dass die betreffende Person gänzlich Herr ihrer Gedanken, Emotionen und des Körpers wird. Es wird eben NICHT versucht unerwünschte Emotionen zu unterdrücken oder sie abzutöten, sondern sie bewusst an und aus schalten zu können da es keine "schlechten" Emotionen gibt, nur solche die in gewissen Situationen unpassend sind, in anderen Situationen hingegen hilfreich. Stark vereinfacht gesagt wäre es unpassend auf einer Beerdigung einen Lachanfall zu bekommen, hingegen kann es sehr angebracht sein einen solche zu bekommen, wenn eine Person einen Witz erzählt.

Wer seine Gedanken wahrlich beherrscht (die meisten Menschen werden von ihren Gedanken beherrscht ohne es zu bemerken) der beherrscht auch all seine Triebe und Emotionen. Ein solcher Mensch wird nie aggressive Ausbrüche, Depressionen oder kriminelle Neigungen entwickeln oder erleben. Auch andere geistige wie psychische Störungen sind nahezu ausgeschlossen, sofern nicht wichtige Bereiche des Körpers zerstört werden die den Ausdruck ermöglichen. (versuchen sie mal ohne die Fähigkeit die Muskulatur des Gesichtes zu bewegen, ein Lachen auszudrücken - die Emotion des Lachen wollens ist dennoch da, auch wenn es niemand bemerkt)

Diese Charakterveredelung wird in der Hermetik als Basis angesehen ohne die nichts Ernsthaftes erreicht werden kann. Es ist aber eben diese Basis die den meisten Amateuren gänzlich fehlt und die sich dann sehr schnell in diverse Krankheitsbilder einordnen können. Grössenwahn, Realitätsverlust, multiple Persönlichkeit, Schizophrenie, Phobien, Halluzinationen, Depressionen, sexuelle Perversion, "Irrsinn", Autismus oder Suizid sind nicht selten die Folgen eines unvorbereiteten Studiums der Magie, weshalb psychisch labilen Personen von einer Befassung mit Magie generell abgeraten wird, dabei könnte das systematische, langsame und richtige befassen mit der Magie ihren Zustand stabilisieren und Störungen heilen.

 

In allen ernstzunehmenden magischen Systemen wird daher der bewussten Charakterentwicklung höchste Aufmerksamkeit gezollt.

Ein solcher Mensch wäre auch ein perfekter Schauspieler, da er auf Kommando jede Emotion empfinden und ausdrücken kann, und ebenso fähig ist, jede Emotion auf Kommando zu stoppen. Diese Selbstbeherrschung allein verleiht dem Menschen schon unzählige Möglichkeiten, so dass die praktische Anwendung der Magie oftmals gar nicht mehr nötig ist um eine gewünschte Wirkung zu erzielen.

 

Diese Selbstbeherrschung setzt aber auch etwas voraus, das Emil Stejnar als das bewusste Wachsein bezeichnete. Die meisten Menschen erleben ihren Alltag sehr passiv. Sie haben ihre Tagträume, Gedankengänge, Handlungsabläufe aber tun das allerwenigste davon wirklich bewusst - in dem Bewusstsein des Augenblickes, es zu tun.

Man kann sagen, der Tag "rauscht" an ihnen vorbei ohne dass sie ihn wirklich registrieren. Stejnar legt zu recht grössten Wert darauf, dass der Magier seinen Alltag bewusst erlebt und zwar von der Warte des "Ichselbst" aus - das "Ich" ist die Rolle die wir spielen. Es ist der Charakter den wir verkörpern in unserem alltäglichen Leben. Die meisten Menschen sind darauf fixiert und nicht in der Lage sich wirklich zu verändern. Das ICHSELBST ist das wahre Ich, welches dem Ich die Rollen und Eigenschaften zuweist. Man kann tatsächlich von einer Sekunde auf die Andere ein gänzlich anderer Mensch werden und das vollkommen bewusst und nicht nur durch traumatische Erlebnisse (welche einen magisch entwickelten Menschen in kein Trauma stürzen können)

 

Der Wert des vervollkommneten Charakters / eines starken Ich selbst kann in der Magie gar nicht überschätzt werden. In der Tat ist es jenes ICHSELBST das sämtliche Gedanken, Emotionen, Triebe, Wahrnehmungen, Deutungen, Handlungen, kurz die gesamte Realität steuern kann, wenn man es nur richtig zu nutzen weiss. Letztlich basiert die Welt auf unseren Wahrnehmungen und wer diese bewusst lenken kann, kann sich nicht nur "Halluzinationen" bewusst erschaffen, sondern auch die Wahrnehmungen derart verdichten, dass sie auch für andere Menschen wahr werden.

Die Rituale in der Magie sind letztlich nur dazu da, um einen Trancezustand herbeizuführen um diesen bewusst in eine psychische "Entladung" zu führen, welche mit der Manifestation des gewünschten Effektes endet. Manche Psychologen der moderne wissen um die tiefenspychologische Wirkung des Rituales und die Magier des Golden Dawn nutzen Rituale ganz bewusst für tiefenpsychologische Veränderungen die wiederum Veränderungen im Leben bewirken.

 

 

vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit

- David