Gott ist für viele Menschen ein schwieriges Thema. Der Grund ist einfach. In polytheistischen Religionen wird der grosse Urschöpfer allen seins als derart erhaben betrachtet, dass man es nicht wagen soll ihn als unvollkommener Mensch anzubeten, oder man meint, aufgrund seiner Erhabenheit, hätte er kein Interesse an der Welt und Gebete blieben unerhört. In monotheistischen Religionen wird Gott schlichtweg als unfassbar und unvorstellbar abgestempelt und somit der näheren Betrachtung entzogen. So oder so, die Menschen wissen von Gott normalerweise nur, dass er der Chef und Gründer der Firma "Schöpfung" ist. Das wars.
Anders ist es in der Hermetik. Da die Hermetik ja ein Weg zur Vervollkommnung des Menschen ist, mit dem Ziel ein wahres Ebenbild Gottes, ein Gott Mensch zu werden, muss die Definition von Gott sehr klar und deutlich sein und der Hermetiker kennt Gott in allen Einzelheiten und versucht wie dieser zu werden. Er kennt Gott nicht nur als Schöpfer aller Existenz und mächtigstes Wesen sondern auch in seinen Eigenschaften, welche sich in den Universalgesetzen spiegeln.
Der Hermetiker bringt Gott die höchste Demut und Verehrung entgegen so wie grösste Dankbarkeit, da er, als Mensch, mit den gleichen Anlagen wie Gott selbst erschaffen wurde, also durch die richtige Entwicklung zu Gottes wahrem Ebenbilde werden kann.
Die 5 Grundeigenschaften Gottes sind den 5 Elementen analog:
Allmacht - Feuer. Allwissen - Luft. Allliebe - Wasser. Allbewusstsein - Erde
Ewigkeit - Akascha.
Diese wiederum sind schwächer ausgeprägt auch im Menschen.
Wille, Intellekt, Gefühl, Bewusstsein und Glaube. Oder in niederer Form: Wollen (Begierde), Halbwissen (eher in Form von Dummheit oder Missbrauch) Abgestumpftheit, Dämmerbewusstsein, Selbsterhaltungstrieb (und Egoismus)
Gott ist keineswegs gut oder böse und auch nicht beides denn Gut und Böse sind nur menschliche Begriffe. Gott schuf das Positive und das Negative und beides für einen edlen Zweck - damit der Mensch lernt und sich entwickelt und beide Pole sind nützlich und wichtig.
Gott lässt das "Böse" also nicht einfach nur zu sondern will es - als Lernhilfe für den Menschen und als Prinzip der absoluten Gerechtigkeit (Karma)
Von einem menschlichen Standpunkt mag vieles Leid unverschuldet sein, aus karmischer Sicht gibt es weder Zufall noch unverschuldetes Leid.
Der Mensch schwankt mit seinen Eigenschaften, Gott steht fest auf dem Höhepunkt der edlen Eigenschaften (absolute Gerechtigkeit, Allwissen, Allmacht, Allliebe, Allbewusstsein, Ewigkeit etc.)
Gottes Gerechtigkeit findet man auch in den unwandelbaren Naturgesetzen und Universalgesetzen.
Gottes Allmacht findet man im Makrokosmos als Einheit, ebenso sein Allwissen etc.
Stejnar schrieb dazu - wenn die Gedanken, Emotionen und Triebe des Menschen eigenständige Wesen sind aus denen er besteht (Elementale, Elementare, Larven etc) (vergleich Zellen) dann sind die Wesen der Hierarchie (etwa Engel, Dämonen, Elementarwesen etc.) die Wesenszellen (Larven, Elementale, Elementare etc) Gottes.
Ptah Hotep beschrieb Gott wie einen Marmorblock. Gott enthält in sich die Summe ALLER Möglichkeiten. Er ist nichts davon aber kann alles werden. Solange alle Formen in Gott ruhen sind sie nicht existent. Denn existieren – sein – Bedeutet sich unterscheiden. Um Wahrnehmung zu haben müssen sich die Dinge unterscheiden, sonst könnte man sie nicht wahrnehmen. Gott ist der Block mit unendlichen Möglichkeiten. Eine Statue die man aus dem Block fertigt ist existent, wahrnehmbar, vorhanden. IST.
Ein Künstler sagte „Ich habe die Statue nicht geschaffen, sie war schon immer da, ich habe sie nur sichtbar gemacht / befreit.“ Schöpfung bedeutet sichtbar machen. Gott ist Einheit, die Summe aller Möglichkeiten. Schöpfung heisst, sich für gewisse Dinge zu entscheiden und dabei andere Möglichkeiten auszuschliessen. Die Schöpfung ist nicht perfekt weil sie nicht die Summe aller Möglichkeiten in sich trägt sondern nur bestimmte Formen annimmt. Gott bleibt perfekt weil er immer die Summe aller Möglichkeiten ist.
Die Schöpfung ist der „geoffenbarte Gott“ – der erfassbare, denkende, individuelle Gott, der Schöpfer. Der Gott dem die Magier sich angleichen versuchen, dessen Ebenbilder wir sind, der Gott der schuf und mit der Schöpfung in Erscheinung trat und überall in der Schöpfung zu finden ist. Der ungeoffenbarte Gott – der Steinblock – ist nicht wahrnehmbar, nicht erfassbar, nicht denkend. Er ist die Ursubstanz aus der Gott schuf, das Akaschaprinzip. Gott schuf aus sich selbst indem er sich selbst zum Künstler formte und in Erscheinung trat und doch sein Selbst auch zurück liess im Gestein. Und aus dieser göttlichen Ursubstanz kann Gott immer neues schaffen – und auch Magier können lernen es zu tun – aus dem scheinbaren „Nichts“ (nicht wahrnehmbaren, nicht existenten) zu schaffen – wahre Kabbalah – während andere Magier bereits vorhandene Energien und Formen umlenken, umwandeln und umgestalten aber nicht völlig neu erschaffen.
Gott ist also zugleich fassbar und unfassbar, erfahrbar und unerfahrbar, Schöpfer und Ursubstanz.
Der Weg der Heiligkeit und der Vernichtung führen beide die Ursubstanz aus der wir bestehen dem „Steinblock“ zurück. Der Heilige geht aus dem Sein ins nicht sein, aus der offenbarten Form zurück in die ungeoffenbarte unzählige Möglichkeit – wobei er natürlich sein Bewusstsein und Individualität verliert und zu einem Aspekt des geoffenbarten Gottes wird wohingegen der Unheilige vollkommen vernichtet wird.
Der Magier der den Weg der Vollkommenheit beschreitet wird indessen ein Ebenbild des offenbarten Gottes – und hat damit alle möglichen (offenbarten) Formen in sich verinnerlicht und das Potential eine jede zu sein wie auch die Möglichkeit, gleich dem Schöpfer, wahrhaft zu erschaffen und neue ungeoffenbarte Formen zu offenbaren.
vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit
- David

