Auch wenn der Satanismus keine wirklich eigenständige Religion ist und genau genommen eine Unterkategorie des Christentumes darstellt, will ich ihm Aufgrund seiner Bedeutung im magischen wie weltlichen geschehen dennoch ein eigenes Kapitel widmen.
Über keine Religion gibt es so viele Vorurteile wie über den Satanismus. Das verdanken wir vor allem Hollywood und der Tatsache, dass sich Horrorgeschichten auch als Buch gut verkaufen lassen. Wie wir aber wissen ist nicht alles was wir lesen oder im Fernsehen beobachten wahr.
Der Satanismus selbst unterteilt sich wiederum in 3 Hauptströmungen: Der laienhafte Satanismus, der religiöse Satanismus und der philosophische Satanismus. Besonders letzterer ist für Magier ganz besonders wichtig, denn viele Magier und Akademiker, sowie viele Künstler und Schriftsteller sind philosophische Satanisten, ohne es zu wissen.
Der laienhafte Satanismus ist jener, von dem man in den Nachrichten, Gerüchten und Vorurteilen hört. Der typische Laie bezieht seine Informationen aus nicht zuverlässigen Quellen (Spielfilme, einseitige Dokumentationen, fragwürdige Internetseiten, Horrorbücher etc) und macht sich nicht einmal die Mühe diese ernsthaft zu studieren. Der typische Laie hat also so gut wie kein Hintergrundwissen und legt einfach mal los. Selbiges im laienhaften Satanismus. Diese Laiensatanisten sind meist pubertierende Jugendliche, die sich von der Gesellschaft, dem Leistungsdruck und ihren Eltern überfordert, benachteiligt und ausgenutzt fühlen und rebellieren dagegen. Sie verstossen mit Absicht gegen die Gebote und Moralvorstellungen dieser Autoritäten um ihre Rebellion zu zeigen, zu provozieren und ihre unterdrückten seelischen Gelüste auszuleben. In der Praxis sind das meist sexuelle Orgien, Blutfetische oder das rituelle Tiere oder gar Kinder opfern. Es sind dieser Satanisten, die nicht einmal wissen in welche Richtung man ein Pentagramm zieht, welche den Satanismus so in Verruf bringen. Symbole (wie das genannte Pentagramm) werden ohne es zu hinterfragen übernommen und verwendet weil es "cool" ist und das nicht vorhandene Wissen vorgaukelt.
Bei den meisten Laiensatanisten verliert sich die satanische Phase im Lauf ihres Alterns. Meist werden sie entweder der starken seelischen und körperlichen Reize überdrüssig, bekommen ein schlechtes Gewissen oder haben ein echtes magisches Erlebnis und damit verbunden eine grundlegende Wandlung ihres Charakters.
Laiensatanisten treffen sich oft in kleinen Gruppen (etwa 4 - 20 Personen) um "die Sau raus zulassen" und sind meist zusammen zum Satanismus "übergelaufen" und waren schon davor befreundet. Diese Variante ist am weitesten verbreitet. Es gibt aber auch einzelne Laien, welche dann zu Straftätern werden (Vergewaltigung, Mord) und keinen Gruppenanschluss finden. Psychologisch betrachtet ist der laienhafte Satanismus ein Ventil um seelischen Druck (durch Überforderung) abzubauen, deshalb findet der laienhafte Satanismus besonders in der Jugend grossen Zuwachs. Aufgrund der mangelnden Organisation gibt es aber eben nur diese Kleingruppen ohne grössere kriminelle Energie.
Die Rituale der Laien haben meist übermässig vielen (und oft falsch ausgerichteten) Symbolen, Blut, Sex und Alkohol zu tun.
In den allerseltensten Fällen wird durch die Trance (Tanz und Blut) und die Ekstase (sexuell, Alkohol) sowie die Stimmung (Symbole, Veranstaltungsorte) eine oder mehrere Wesenheit(en) gerufen die für diesen Tätigkeitsbereich zuständig sind. Nicht selten versuchen die Laiensatanisten ja tatsächlich Satan anzurufen und einen Pakt zu schliessen. In der Praxis verkraften die Laien jedoch nicht einmal die Aura eines niederen Dämons und nicht wenige die ein solches Erlebnis hatten gehen in ein Kloster oder die Psychiatrie.
Der religiöse Satanismus unterscheidet sich sehr stark vom zuvor genannten. Der religiöse Satanismus wird meist innerhalb magischer Logen praktiziert, findet aber auch Zulauf durch altgediente Laien denen eine innere Überzeugung erwachsen ist und einzelnen Magiern.
Die vorher genannten Laien werden jedoch in keine solche Gemeinschaft aufgenommen, da sie schlicht zu unreif sind und die ernsthaften Satanisten nur stören. (Versuchen sie mal in einer Kirche zu Gott zu beten wenn neben ihnen ein nackter Betrunkener Lieder gröhlt, die anscheinend auf Latein sein sollen, aber die Aussprache und Grammatik viel zu wünschen übrig lassen)
Während Laien gern auf Friedhöfen, verlassenen Kirchen und Krypten oder in Höhlen feiern, treffen sich echte Satanisten in speziell dafür errichteten Gebäuden (die meist abgelegen oder von Aussen unscheinbar sind) oder es werden Kellerräumlichkeiten bestehender Gebäude umfunktioniert.
Religiöse Satanisten treffen sich zu festen Zeiten (auch hier oftmals an Sonntagen) zu schwarzen Messen, die sich nicht allzu sehr von christlichen Messen unterscheiden. Es kommen Gemeinden zusammen, meist 20 - 100 Personen, welche von einem "Priester" geleitet werden. Dieser trägt (wie meist auch alle Anwesenden) spezielle Kleidung, hat die schwarze Bibel zur Hand, einen Altar, Kelch und viele andere Ritualgegenstände.
Im Rahmen der schwarzen Messe wird gebetet, gesungen und Andacht gehalten, sowie Lesungen oder Predigten vollbracht.
An Sex, Alkohol oder Drogen denkt dabei keiner. In der Tat gleichen schwarze Messen einem christlichen Gottesdienst sehr stark, nur wird eben nicht Gott dabei angerufen und verehrt.
Aufgrund der relativ geringen Gläubigen werden solche Messen natürlich nur in christlichen Grosstädten gehalten. Rom, New York, Madrid, Paris aber auch Frankfurt, Köln, Wien und andere grössere Städte in Europa haben solche Einrichtungen.
Im privaten Leben sind religiöse Satanisten meist unscheinbare Menschen. Bei vielen bemerkt man das negative in ihrer Aura nicht einmal. Da jedoch meist "Schwarz"magier zu den Satanisten gehören, und diese oftmals höhere gesellschaftliche oder wirtschaftliche Positionen bekleiden und auch zu einer Art intelektuellen Elite gehören sind die "Kirchen" sehr gut ausgestattet und mancher Katholik würde vor Neid erblassen.
Im religiösen Satanismus geht es um eine bewusste Verdrehung christlicher Lehren (das umgekehrte Kreuz, das umgekehrte Pentagramm, die schwarze Bibel) wobei damit die wirklich christlichen Lehren gemeint sind und weniger die von der katholischen Kirche "pervertierten" Formen.
Im Mittelalter konnte sich der Satanismus besonders verbreiten, weil die Bevölkerung von der Grausamkeit der katholischen Kirche überwältigt war und es ohnehin keine realistische Chance gab in den Himmel zu kommen. Folglich war es die beste Option sich mit dem Teufel zu verbünden, um ein einigermaßen schönes Leben nach dem Tode zu haben.
Nächstenliebe wird zur Eigenliebe (nicht zum Egoismus) Gehorsam zu Unabhängigkeit und auch das wirtschaftlich sehr erfolgreiche (und im kapitalistischen Raum ganz selbstverständliche) Modell des "Nehmen ist besser als Geben" (Mangelwirtschaft) wird gern übernommen.
Religiöse Satanisten versuchen Satans Gunst zu erringen, damit er ihnen Reichtum, hohe gesellschaftliche Positionen und Macht gibt. Im Rahmen dieser Anrufungen meldet sich auch häufiger ein Wesen, wenn von Magiern praktiziert nahezu immer, welches dann auch den Wünschen nachkommt, gegen entsprechende Gegenleistungen. Und hier spielen rituelle Morde durchaus eine Rolle wobei das "Opfer" ausgelost wird.
Generell jedoch sind religiöse Satanisten sehr gebildete, zivilisierte Personen mit einer hohen Selbstbeherrschung und Zielen die weit über Alkohol, Drogen und Sex hinausreichen.
Ich sagte bereits, dass der Satanismus keine richtige Religion ist, was daran liegt, dass ja das christliche Denken und die christliche Lehre als Basis verwendet wird. Es werden die gleichen Symbole verwendet, es gibt die gleichen Deutungen der Bibel und Gottes und auch das Ritualleben ist am christlichen orientiert. Das Christentum stammt zwar seinerseits vom Judentum ab, hat jedoch andere Schwerpunkte und Vorstellungen als letzteres, sowie eigene Sichtweisen einiger wichtiger Elemente. Ganz genau genommen, ist aber das Christentum, wie auch der Islam, ebenso wenig eine "eigene" Religion wie der Satanismus.
Der philosophische Satanismus befasst sich lediglich mit der Kernaussage, der Grundlehre des Satanismus ohne religiöses Zubehör.
Diese grundlegende Lehre des Satanismus, dem all seine Formen entspringen lautet: "Halte dich an Gebote. Aber nur an deine Eigenen."
Sie sehen, der Satanismus ist eine sehr individuell auslegbare Religion.
Für die Laien heisst es, das Gegenteil von dem zu tun, was die Gesellschaft von ihnen will. Die "echten" Satanisten tun das Gegenteil dessen, was in Kirchen getan wird und die philosophischen Satanisten sind sehr individualistisch.
So hält sich der philosophische Satanist durchaus an Regeln und Gebote, die aber nicht zwangsweise mit den Gesetzen der Gesellschaft und den moralischen Vorschriften der Religion konform gehen müssen, es aber können. Wo der Laie schlicht das Gegenteil dessen was als gut gilt tut und der religiöse Satanist bemüht ist, sich in Satans Augen möglichst gut zu verhalten (also böse zu sein) ist die Vielfalt bei den philosophischen Satanisten grösser. So kann ein Solcher durchaus das "abgrundtiefe Böse" darstellen, ein Mensch der stiehlt, mordet, vergewaltigt, jeder Perversität erliegt und sich nicht um Andere, Gesetze oder Moral schert, aber es kann auch ein sehr gutherziger, liebevoller Mensch sein, der mit gewissen Teilen der gesellschaftlichen Zwänge nicht konform gehen will.
Wir haben auf der einen Seite einen klassischen Psychopathen, egoistisch, kalt, berechnend, der bewusst und gezielt mordet und auf der anderen Seite könnte beispielsweise ein altruistischer (hilfsbereiter, gütiger) Mann sein, der Waisenhäusern spendet, sich selbst um Waisen kümmert aber sich beispielsweise weigert jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, immer die Wahrheit zu sprechen oder abzubremsen weil ein Verkehrsschild ihn dazu auffordert. Auch solche kleinen "Vergehen" die wohl jeder von uns zur genüge hat, machen jemanden, sofern er bewusst gegen diese Regeln verstösst, schon zu einem philosophischen Satanisten. Folglich gehören auch Revolutionäre dazu, die ja aus alten Mustern ausbrechen. In der Praxis sind mit philosophischen Satanisten aber eher solche Menschen gemeint, die sich dessen bewusst sind, Satanisten zu sein und das Konzept, sich nur an seine eigenen Regeln zu halten, bewusst umsetzen auch wenn es Ärger geben könnte. Das sind dann Leute die, um das Beispiel weiter zu verwenden, mit 150 km/h ein Polizeiauto im Ortsgebiet überholen. Kurz, Leute die sich von Strafen nicht davon abhalten lassen, an ihren eigenen Regeln festzuhalten, seien diese nun moralischer oder gesetzlicher Natur. Ich für meinen Teil würde mich weigern eine zerfetzte Leiche zu reanimieren bis der Notarzt eintrifft, obwohl das Gesetz mich dazu zwingen würde (und ich dafür theoretisch vor Gericht wegen unterlassener Hilfestellung zur Verantwortung gezogen werden könnte, auch wenn das in der Praxis wohl nicht passieren würde)
Denn auch wenn der Kopf 1 Meter neben dem Torso liegt, darf nur der Arzt den Tod feststellen und man ist verpflichtet die Reanimation fortzuführen bis der Arzt eintrifft und übernimmt oder den Tod feststellt.
Doch solche Kleinigkeiten ausser acht gelassen, finden sich bei den "echten" philosophischen Satanisten meist schwerwiegendere Vergehen wie sexueller Verkehr mit Minderjährigen, Diebstahl, Intrigen und anderes. Man merkt es solchen Menschen aber meist nicht an. Wie sie wissen, kann man mit dem nötigen Aufwand seine Leichen sehr gründlich im Keller vergraben, so dass niemand dahinter kommt. Bei all den Skandalen in den Nachrichten und Zeitungen ist es ja nicht schwer festzustellen, dass solche Dinge eben nicht von Menschen getan werden, bei denen man damit "rechnet" sondern eben meist von Menschen die man immer für Heilige gehalten hat und die, den Psychopathen gleich, keinen auf den ersten Blick erkennbaren Grund für solche Taten haben.
Für Magier ist der philosophische Satanismus die wichtigste Form da der typische Magier zumindest bewusst gegen die religiösen Ansichten seiner Kultur arbeitet und das "unmögliche" möglich macht. Da Magier generell auch ausgeprägte Individualisten sind und sich gern bewusst von der Gesellschaft abgrenzen (bzw. sich schlicht nicht für die Gesellschaft interessieren) kommt es auch oft vor dass die moralischen Vorstellungen des Magiers sich mitunter grundlegend von jenen der Gesellschaft unterscheiden. (Ich für meinen Teil verstehe nicht weshalb man für Steuerhinterziehung bis zu 5 mal länger sitzt als für Vergewaltigung, da in einem Fall ein kaum bemerkbarer Schaden entsteht und im anderen ein ganz erheblicher Solcher. (100 Euro für eine Organisation die mal eben 100 000 für einzelne Politiker im Monat ausgibt im Vergleich zur seelischen Zerstörung eines Menschen)
Am Schluss sei noch angemerkt, dass die Römer früher das gleiche Bild von Christen hatten, wie Christen heute über Satanisten. So dachte man, Christen würden Kinder fressen und Blut trinken (Nehmet und esset denn dies ist mein Leib, nehmet und trinket, denn dies ist mein Blut) und dergleichen mehr. Die Ursache von solchen Dingen sind Gerüchte die nicht überprüft sondern blind geglaubt werden, Unverständnis aufgrund von keinerlei Auseinandersetzung mit dem Thema und Angst vor dem Fremden.
vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit
- David

