Schamanistik - die Lehre der Schamanen. Auch Schamanismus oder Neoschamanismus.

 

Sehen wir uns diesen Bereich der spirituellen Lehre an ergeben sich hunderte Problematiken, von denen ich einige ansprechen möchte.

 

1. Definition

 

Das wohl grösste Problem ist der Mangel einer allgemeinen Definition. Das Wort Schamane kommt aus dem Evenka "saman" und bezeichnet Priester der mongolischen Kultur deren Einflüsse auch bei den nordischen Samen deutlich zu sehen sind, die stärkste Verbreitung war / ist jedoch im Bereich Russland - Mongolei zu finden.

Es erscheint nur logisch, dass zwischen mongolischen Schamanen, afrikanischen Schamanen oder indianischen Schamanen einige ganz wesentliche Unterschiede bestehen und so ist es auch. In der Tat ist die Bezeichnung "Schamane" für Magier anderer Kulturen im Grunde ganz falsch. Einen afrikanischen Medizinmann würde man in Deutschland ja auch nicht als "Fachmediziner" bzw. Arzt oder Doktor betiteln obwohl grundlegende Gemeinsamkeiten bestehen.

Entsprechend ist eigentlich der korrektere Begriff "Animist" denn alle "Schamanen" der Welt teilen ein animistisches Weltbild das den selben Prinzipien folgt. Allerdings kann man auch ein Animist sein ohne als "Magier" dieser Richtung zu arbeiten - es ist ja auch nicht jeder Katholik ein Priester oder gar Bischof und nicht jeder Beamte ist Kanzler.

 

Auch Akademiker können sich nicht auf eine gemeinsame Verwendung vom Begriff "Schamane" einigen, so dass hier leider sehr viele unterschiedliche Auffassungen im Umlauf sind, angefangen von den spirituellen Führern des nordasiatischen Raumes, hin zu Vertretern aller Naturreligionen, zu Geistheilern aller Welt.

 

Allerdings verbinden die meisten Menschen mit dem Wort die indianischen oder afrikanischen Magier, was ja nicht falsch ist aber zu der irrigen Anschauung führt, dass es eine generelle Form von Schamanismus gäbe.

Es ist jedoch so, dass jede Kultur, ja jeder Stamm und mitunter sogar jeder Schamane eines Stammes, eine unterschiedliche Auffassung seiner Arbeit, Werkzeuge, der Geister und eine eigene Wirkweise hat. Es gibt Stämme, die in 3 oder gar mehr Kategorien von Schamanen unterteilen. Wer das komisch findet möge sich ansehen wieviele Unterbereiche allein das Fach "Medizin" hat und ein Pathologe käme auch nicht auf die Idee einem Dermatologen ins Handwerk zu pfuschen.

DEN Schamanismus gibt es aber nicht. Es gibt jedoch DEN Animismus den alle Schamanen teilen, unahbängig ihrer kulturellen, regionalen oder sozialen Zugehörigkeit

 

ANIMISMUS teilt einige grundlegende Vorstellungen für spirituelle Arbeit.

  • Alles was ist, lebt. Alles hat eine Seele, sei es Mensch, Tier, Pflanze oder Stein.
  • Die Seele interagiert ständig mit dem Reich der Geister und befindet sich zumindest zum Teil in der Geisterwelt.
  • Die Geisterwelt ist real und hat konkrete Auswirkungen auf die physische Welt, so wie auch die Geschehnisse der physischen Welt direkte Auswirkungen auf die Welt der Geister hat.
  •  Alles was ist, ist miteinander verbunden, durch die geistige Welt.
  • Die geistige Welt durchdringt die physische Ebene und ist ständig und überall und in allem präsent.
  •  Es gibt nützliche und schädliche Geister.
  • Es gibt KEINE Einteilung in Gut und Böse, es wird nicht gewertet, die Natur ist, und kennt keine Moral oder Bewertung.
  •  Es gibt keine "religiöse Hierarchie" alles was ist, ist heilig und erfordert respektvollen Umgang, egal ob Baum, Beutetier oder Ehepartner. Niemand will Geister gegen sich aufbringen.
  • Die Natur selbst ist heilig. Es gibt keine Sakralbauten (etwa Kirchen) sondern nur "besondere" Plätze die mit den Geistern in Verbindung gebracht werden wie etwa Bergspitzen oder Waldlichtungen.
  • Es gibt nichts "übernatürliches" oder "metaphysisches" Alles was geschieht, ist durch Wirkungen der Geister zustande gekommen und dadurch erklärbar.
  • Es gibt keine "Götter" im Sinne der Mono oder Polytheisten. Es gibt verschiedene Arten von Geistern, die verschiedene Wirkungen erzielen, verschiedene Persönlichkeiten haben und mächtiger sein können als Menschen. Sie werden aber nicht als Götter verehrt und gelten nicht als "anders" als der Mensch im Sinne einer Unsterblichkeit oder generellen Überlegenheit. Es gibt zwar ein "oberstes Wesen" aber im pantheistischen Sinne.
  • Die geistige Welt ist die eigentliche Realität, sie ist die formende, schaffende Welt und die Welt in welche man nach dem Tode zurückkehrt. Die physische Welt ist nur ein Ergebnis der geistigen Welt
  • Es gibt 2 Arten von Energien, die als nützliches oder schädliches Mana bezeichnet werden. Sie können leben erschaffen und erhalten aber auch krank machen und töten.
  • Der Ahnenkult hat einen sehr hohen Stellenwert. Verstorbene werden weiterhin als gegenwärtig empfunden und können, je nachdem welchen Respekt man ihnen entgegenbringt, ihre Nachfahren schützen und segnen oder bestrafen und schaden. Eine Ansgt vor den Geistern der Verstorbenen ist gegenwärtig.
  • Naturverbundenheit - auch die Geister der Natur werden verehrt und mit hohem Respekt behandelt, denn auch sie können von der geistigen Welt aus Hilfe oder Schaden bringen. So dankt man dem zu fällenden Baum ebenso wie dem erlegten Wild und ehrt die Geister der Kleidung die man trägt indem man sie pfleglich behandelt etc.
  • "Gleichberechtigung" Vielleicht das falsche Wort, da es in den animistischen Kulturen klare Rollenverteilungen gibt, aber viele lassen offen, wer welche Aufgabe übernimmt. Einer muss jagen und kämpfen, einer muss den Haushalt verwalten. Traditionell wird die Jagd den Männern und der Haushalt den Frauen zugesprochen, doch die meisten animistischen Kulturen überlassen die Wahl, wer was macht, dem Ehepaar selbst. Bei den Indianern waren jagende Frauen ebenso vertreten die kinderhütende Männer und auch bei den Germanen war es Frauen erlaubt Waffen zu tragen, zu kämpfen und sich scheiden zu lassen, so wie es germanischen Männern erlaubt war, zu Hause zu kochen. In Verbindung zum Schamanentum, gibt es zwar in jeder Kultur eine klare Tendenz der Schamanen zu einem Geschlecht (im germanischen Schamanismus waren es mehrheitlich Frauen, im Südamerikanischen Schamanismus sind es mehrheitlich Männer) doch es ist keinem Geschlecht verboten die Kunst auszuüben.

 

Eine generelle Anmerkung wäre, dass es hier einen grossen Unterschied zwischen einem Medium und einem Schamanen gibt. Ein Medium wird, oft unfreiwillig, von der geistigen Welt / Geistern besucht und besessen, die Geister tun sich durch das Medium kund, das Medium ist nur ein Kanal (Channeling) Der Schamane dagegen besucht selbst die Welt der Geister, also aktiv nach seinem Willen, und bringt Wissen und Rat der Geister mit sich. Er dient als Vermittler (Botschafter) zwischen der Welt der Geister und seinem Stamm.

Während ein Medium (ja ursprünglich sind Medien aus animistischen Kulturen stammend) nie auf die Idee käme zu versuchen mit schädlichen Geistern in Kontakt zu treten, da es als viel zu gefährlich gilt, ist es für den Schamanen Alltag und Pflicht, mit allen Geistern zu verkehren.

 

2. Kommerzialisierung

 

Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Betrachtung der gängigen "Version" des Schamanismus der über Bücher, Seminare, Filme und Websites Verbreitung findet. Der "Neoschamanismus" hat nämlich meist so gut wie nichts mit dem spirituellen Schamanismus zu tun und verkommt zu reiner Geldmacherei von Schamanisten.

Schamanisten werden so genannt, weil die echten Schamanen beinahe ausgestorben sind und man versucht Lehren auf die moderne hektische Welt zu pressen, die sogenannten Schamanisten aber aus dem Boden spriessen, eher wuchern. Ein Schamanist ist ein Mensch, der die Lehre der Schamanen verfolgt, versucht den Weg eines Schamanen zu gehen aber eben kein echter Schamane ist und leider nur in seltenen Fällen wirkliche Ahnung vom Schamanentum hat und es viele Betrüger gibt die das "Label" nutzen um Geld zu machen. Der Begriff Schamane ist eben nicht geschützt. Leider wird hier so oft das Unwissen der Suchenden ausgenutzt um Geld zu machen, dass einem schlecht wird. Man glaubt aber auch alles - jeder Inder, selbst wenn in Deutschland aufgewachsen, kann in der westlichen Welt als erleuchteter Yogi auftreten wenn er sich einen Turban aufsetzt und jeder Indianischstämmige als Schamane. Einem "Zentralasiaten" würde man den Schamanen wohl nicht abkaufen, dabei ist der mit viel grösserer Wahrscheinlichkeit ein echter Schamane als die Rothaut oder der Schwarze die sich in tolle Kostüme gekleidet in einen Seminarraum setzen.

 

Um einen echten Schamanen von einem der vielen typischen künstlichen, synthetischen Grosssstadtschamanen die noch nie einen Wald gesehen haben, zu unterscheiden eine kleine Hilfestellung:

 

Ein echter Schamane ist dazu auserwählt worden, durch die Geister. Das bedeutet, ein echter Schamane muss eine einschneidende Prüfung überlebt haben ehe er als "von den Geistern auserwählt" gilt. In den Naturreligionen, denen das Schamanentum ja entspringt, heisst das, eine lebensgefährliche Begegnung mit einem Tier überlebt zu haben (das dann auch das Totemtier des Schamanen ist) oder eine lebensbedrohliche Krankheit überwunden zu haben. In der Praxis hiess das oft, dass der Schamane verstümmelt war. So hat ein Schamane in Afrika ein Bein und ein Auge an einen Löwen verloren und wurde dadurch vom Geist des Löwen "auserwählt." Ein Indianerschamane verlor sein Augenlicht durch das Gift einer Klapperschlange, ein anderer einen Arm durch ein Bison etc. Wieder ein Anderer mag von heftigen Ausschlägen oder anderen Wunden gezeichnet sein, die Überbleibsel schwerer Krankheiten sind.

Ein echter Schamane muss an der Schwelle zwischen Leben und Tod gestanden haben, und die Geister ihm ihre Gunst gezeigt, indem sie ihn am Leben liessen.

 

Sofern ein Grossstadtschamane eine Begegnung mit einem Tier hatte, war es meist im Zoo oder dass ihm eine Taube auf die Schulter gekackt hat. Ich meine das nicht Böse, aber wie realistisch ist es, dass in der heutigen hochmodernisierten, naturfeindlichen Umwelt mitten in New York ein echter Schamane auserwählt wird.

 

Zumal ein echter Schamane in der Natur lebt und die Stadt und die Menschen meidet. Wie indische Yogis ziehen sie sich in die Natur zurück und leben von der Natur (und kaufen nicht bei Aldi). Sie gehen nicht auf die Menschen zu und drehen ihnen schamanische Utensilien an und bieten keine Kurse im Kaufhaus an, sondern warten bis die Menschen zu ihnen kommen. Echte Schamanen suchen keine Schüler! Und sie verkaufen keine Utensilien! Was sie tun ist heilig, das wird nicht entehrt indem man es jedem beibringt oder verkauft der zahlt.

 

Echte Schamanen sind daher in gewissen Staaten quasi unvorstellbar. In Europa findet man Schamanen nur noch sehr selten in den weiten Russlands oder in Finnland. Ansonsten ist da nichts mehr zu finden.

In Amerika findet man, vor allem in Südamerika, durchaus noch echte Schamanen aber wird ihnen als "zivilisierter" Mensch wohl nur durch einen Flugzeugabsturz über den Weg laufen. In Asien gibt es in dem Sinne keine Schamanen, ausser bei den Mongolen. Ansonsten hat man, wie in Europa, Priester und Magier (Taoisten und Yogis). In Afrika hat jeder Stamm einen. Und in Australien, bei den Aboriginies, finden sich auch noch echte Schamanen, auch wenn dieses Volk langsam ausstirbt und ähnlich wie die Indianer Amerikas, dem Alkohol und Glücksspiel erliegen.

 

Ein echter Schamane lebt in der Natur, mit der Natur und fertigt seine Gebrauchsgegenstände selbst. Es genügt eben nicht einen Traumfänger über dem Bett aufzuhängen und morgens zu lüften, während man Gegenstände grosser Firmen in seinem kleinen Privatladen "vertickt".

Damit möchte ich vor den vielen Stadtschamanen warnen die meist keinen Schimmer vom Schamanentum haben. Da sie aber mehr Wissen als die meisten Stadtmenschen gibts immer wieder viele, die auf sie hereinfallen.

 

Das heisst nicht, dass es keine sehr guten Schamanisten gäbe, aber sie sind verdammt selten. Es heisst weiters nicht, dass man als Stadtmensch nicht auch erwählt werden kann, aber diese Berufung spürt man in sich.

Ein Schamane ist meist schon von seiner Geburt an mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und hat schon als Kind Visionen der Zukunft, ist sehr intelligent und weise, kann eventuell schon mit Geistern sprechen oder hat gar magische Kräfte. Diese "geborenen" Schamanen werden meist durch künstlich induzierte Weihungen zum echten Schamanen gemacht. Solche Riten umfassen lebensgefährliche Prüfungen. Bei manchen afrikanischen Stämmen muss sich der Prüfling sämtliche Haut am ganzen Körper blutig kratzen, so dass er nur noch eine einzige eiternde Wunde ist. Überlebt er das Wundfieber, ist er ein Schamane. In Südamerika wird Glas verspeist, in manchen Gegenden lässt man sich von einer Giftschlange / Spinne beissen, in manchen animistischen Kulturen vollzog sich die Weihe durch die Jagd auf gefährliche Tiere wie Bären die man im Nahkampf besiegen musste. In der nordischen Tradition war es üblich sich 9 Tage und 9 Nächte an einen Baum zu hängen, ohne Nahrung und ohne Wasser (ausser Schnee und Regen). Wieder andere Kulturen legten die Selbstverstümmelung nahe, wie etwa sich ein Auge herauszureissen oder sich mit einem Speer aufzuspiessen und manche bereiten "Einweihungstränke" die meist eine Mischung verschiedener halluzinogener Stoffe ist, gewonnen aus Pilzen und Tieren, welche bei einer Überdosierung oder nicht gewachsenen Resistenz zum Tod führen etc.

 

Ein Schamane hat also das Reich der Geister besucht und entsprechend kennt er auch keine Furcht vor dem Tod, Schmerz oder Leid. Es ist alles ein Kreis der Natur und sie sind in der Geisterwelt zu Hause.

Ein Schamane, anders als ein Schamanist, hilft durch Opfer. in vielen Kulturen ist der Schamane das Prinzip des "verwundeten Heilers" Er wird krank um den Kranken zu helfen. Er kann eine Krankheit heilen, wenn er sie selbst besiegt hat, er kann Wunden kurieren die er selbst erlitten hat. Indem er das Leid selbst erlebt, kann er es beseitigen.

Daher besitzt der echte Schamane meist eine sehr zähe körperliche, psychische und mentale Konstitution, er ist also "unverwüstlich" und die Weisheit erwächst ihm aus den überstandenen Leiden. Er wird respektiert weil die Geister ihm Macht gewähren und sie gewähren ihm Macht, weil er sie durch seine Standhaftigkeit beeindruckt.

 

Ein echter Schamane ist nicht unbedingt ein "guter Laune Mensch" der lächelnd umherstreift. Er ist ein von Leid und Schmerz gezeichneter, oft sehr ernster Mensch, was nicht heisst, dass er nicht auch Spass haben kann. Ihn umgibt aber keine "heilvolle" "Licht und Liebe" Aura, sondern eine drückende, ernste Aura, bodenständig.

 

Auch hier gibt es antürlich kulturelle Unterschiede, aber meist sind Schamanen zwar sehr geachtete aber ebenso gefürchtete und gemiedene Personen. In der nordischen Kultur hat man manchmal lieber Schmerz und Krankheit in kauf genommen als zu einem Schamanen zu gehen um sich behandeln zu lassen.

 

Der Schamane erfüllt in seiner Gemeinschaft meist viele Rollen. Einerseits sind Schamanen Mediziner die Krankheiten und Wunden heilen. Sie sind aber auch Seelsorger und Therapeuten bei Traumatas, "Priester" welche die Geister günstig stimmen, Botschafter welche die Wünsche der Geister zu den Menschen bringen und umgekehrt. Sie sind Seher welche die Zukunft erforschen und Berater welche Geschicke lenken. Sie sind meist auch Gelehrte, die das Wissen des Stammes in Bezug auf alle Dinge wahren (sei es Handwerk, Jagd, Medizin oder sonstwas) sie sind aber auch Betreuer der Toten und Geschichtenerzähler, welche das Wissen um die Ahnen lebendig halten und so wertvolle Arbeit in dieser Hinsicht verrichten. Sie leiten auch Zeremonien wie Hochzeiten oder Feste, führen angehende Schamanen in die Kunst ein oder beteiligen sich an Krieg und Jagd oder stellen Talismane, Amulette oder Fetische her die dem jeweiligen Besitzer helfen oder schützen. Manchmal spezialisieren sich Schamanen auf ein Gebiet und teilen sich die Aufgaben mit anderen Schamanen, manchmal erfüllt ein Schamane allein alle Aufgaben.

Ein Schamane stellt das Wohl der Gemeinschaft über sein Eigenes.

 

Ein Schamane, anders als ein "klassischer" westlicher Magier, nimmt sich nicht die Macht die er besitzt, sie wird ihm gewährt. Er ist kein Herrscher im Geisterreich sondern ein Freund. Er dient zum Wohle des Ganzen und respektiert alles was ist.

 

Schamanen mögen ebenso "konkrete" Geister wie Ahnen, Tiergeister oder Pflanzengeister anrufen, wie "abstrakte" Geister wie die Wesen der reinen Elemente, "Engel" oder "Dämonen"

 

3. "Ursprung"

 

Schamanismus ist die älteste Religion, die älteste Magie und die älteste Lehre der Menschheit. Früheste Funde die eindeutig auf schamanische Praktiken hinweisen finden sich bereits 50.000 vor Christus (in Europa immerhin ca. 12.000 vor Christus)

Es scheint eine Art gemeinsamer "Urreligion" der Menschheit zu sein, denn woimmer Menschen waren, fand man schamanische Werkzeuge und Ideen. Allerdings ist es auch sehr verständlich, dass sich dadurch tausende Arten von Schamanismus entwickelten - eine Naturreligion muss der umgebenden Natur angepasst sein und es hat wenig Sinn in den verschneiten Wäldern des Nordens einen Nashorngeist anzurufen, wenn man noch nie ein Nashorn gesehen hat und ein Nashorn nichts mit der Umgebung zu tun hat. In Afrika dagegen mag das durchaus als sinnvoll erscheinen. Manche Völker blieben einem Ort treu und konnten so einen sehr speziellen Schamanismus entwickeln, Andere waren Nomaden und mussten viel flexibler sein. Manche Völker konnten in Frieden in der Isolation eine sehr pazifistische Form entwickeln, Andere waren gezwungen für ihr Überleben zu kämpfen und mussten eine kriegerischere Form entwickeln. Das Ergebnis ist, dass es sehr unterschiedliche Lehren gibt aber Suchenden vorgegaukelt wird es gäbe "den einen" Schamanismus was zu einer Flut an Falschinformationen und Verblendung führt. Angebotene schamanische Reisen sind im übrigen nur kleine Traumreisen des eigenen Unterbewusstseins und haben mit echten spirituellen Reisen ungefähr so viel zu tun wie ein kurzer Traum über die Arbeit bei einem Nickerchen.

Bei einer echten Reise in die Geisterwelt besteht immer das Risiko, nicht mehr zurück zu kehren.

 

Jedenfalls gibt es nicht "den" Schamanismus oder "die Ursprungsreligion" auf die sich irgendwer berufen könnte. Es gibt viele Formen und manche mögen näher an einem nicht mehr existenten Ursprung dran sein als Andere, aber den Ursprungschamanismus gibt es nicht mehr und es ist unmöglich zu sagen, welche Form Älter ist als die Andere.

 

Zudem gibt es weder einheitliche Werkzeuge noch Bezeichnungen oder Kleidung. Abgesehen davon, dass auch der "Alltagsindianer" Federschmuck hatte und nicht nur der Häuptling oder Schamane, heissen Federn am Kopf noch lange nicht, dass sich jemand mit indianischem Schamanismus befasst (den es so auch nicht gibt da erneut jeder Stamm etwas andere Ansichten hatte) denn auch in anderen Kulturen war Federschmuck durchaus verbreitet. Vögel gibts nicht nur in Nordamerika.

 

Dennoch ist der Schamanismus eher traditionell und konstant, da Ahnenverehrung und alte Werte hier eine deutlich höhere Stellung einnehmen als in anderen Religionen. Die Lebensart der Vorväter wird, sofern keine drastischen Veränderungen eine Umstellung nötig machen, möglichst getreu beibehalten um niemanden zu verärgern, was zu sehr stabilen Gefügen führt. In manchen Kulturen kann nur ein Nachkomme einer bestimmten Familie von Schamanen ein Schamane werden (oder hat es deutlich leichter) weil seine Familie und damit seine Ahnen ihm helfen können und beistehen.

 

Der Ursprung ist meist nur sehr schwer zu finden, da durch Kriege, Wanderungen und Verschmelzung von Stämmen auch verschiedene Vorstellungen zusammenflossen, was man wohl am deutlichsten in der nordischen Tradition erkennen kann, wo im Asen / Wanenkrieg 2 völlig verschiedene Vorstellungen aufeinandertrefen und dann zu einer neuen gemeinsamen Vorstellung zusammenfliessen die Platz für 2 im Grunde sehr verschiedene Religionen schafft. Die kriegerischen Asen der einfallenden Germanen dominieren zwar über die friedliebenden Wanen der europäischen Urbevölkerung, aber dennoch sind die 2 meistverehrten Geister Wanen geblieben. (Freyr und Freya)

 

vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit

- David