Ich gebe es zu, ich persönlich bin kein Freund der Wicca Kultur was einige Gründe hat. Aber auch ich muss zugeben, dass es ein paar sehr kompetente und fähige Hexen gibt und dieser Weg ein gangbarer und für manche Frauen und Männer auch ein sehr guter Pfad ist. Aber es gilt einige Dinge zu beachten, wenn man ein(e) ernstahfte(r) Hexe(r) werden möchte und nicht zu den leider sehr stark verbreiteten "Spinnern" verkommen möchte die im Wald Orgien feiern und sich mächtig vorkommen weil sie in einer Sprache die sie nicht mal verstehen ein paar Verse auswendig können und meinen allen anderen Menschen überlegen zu sein, wobei sie nicht mal was vorzeigbares zustande kriegen. Leider beziehen auch viele "Wicca" Hexen (Möchtegerns) die Mehrheit ihrer Information über Wicca aus Fernsehserien (Charmed) Filmen und Romanen, manche lesen sogar Bücher fragwürdiger Hexenautoren. Wirkliche Information über echtes Hexentum ist eine Rarität und dieses Wissen wurde früher nur mündlich weitergegeben - und das echte Wissen wird auch heute fast ausschliesslich mündlich überliefert, so dass man eine selbsternannte Hexe oder einen selbsternannten Hexer sehr skeptisch beobachten sollte ehe man ihm / ihr das glaubt. Im Grunde verhält es sich jedoch mit allen magischen Richtungen so, besonders gefährdet sind jedoch "populäre" Richtungen wie Wicca, Hermetik oder Kabbalah.

 

Generell beruft sich die Wicca Bewegung auf das alte Hexentum der Kelten, welches angeblich durch Hexen des Mittelalters überliefert wurde.

Tatsächlich stammt der Wicca Kult wie er heute praktiziert wird von Gerald Gardener und ist keine 100 Jahre alt.

Verehrt werden das männliche und weibliche Prinzip (Gott und Göttin) in Harmonie. Obwohl das der Grundsatz von Gardeners Wicca ist, gibt es nur sehr wenige Hexen und Hexenzirkel in denen dieses Gleichgewicht wirklich herrscht. Einzelne Hexen sind oft Feministen welche in dem falschen Glauben leben Wicca wäre nur etwas für Frauen und gegen Männer hetzen und in Hexenzirkeln findet man leider nur selten, wie es bei Gardener ist, Hohepriester und Hohepriesterin sondern meistens nur eine Hohepriesterin (sofern im Zirkel überhaupt Männer sind) oder nur einen Hexenmeister.

 

Wicca ist sehr Naturverbunden und arbeitet viel mit Naturgeistern, Naturmagie, Mondphasen, Kräutern und ist ziemlich genau an bestimmte Daten gebunden an denen etwa Beltaine und andere Feste gefeiert werden.

In manchen Zirkeln werden Feste in der Tat nackt gefeiert und Rituale unbekleidet ausgeführt, aber das ist nicht in allen Zirkeln so und im Original nach Gardener gibt es natürlich Roben für solche Zwecke.

Die Hexen welche unbekleidet feiern drücken damit ihre Naturverbundenheit aus und hoffen so den Geistern näher zu kommen.

 

Jede gute Wicca hat also ein fundiertes Wissen über Kräuter und deren Wirkung, Mondphasen und deren Einflüsse und natürlich magische Tage im Jahr an denen gewisse Rituale besonders gut gelingen oder mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Auch benutzen Hexen magische Hilfsmittel auch wenn deren wahre Bedeutung den meisten Hexen unklar ist. Roben, Kristallkugeln und Tarot Karten findet man bei den meisten Hexen, Zauberstäbe, magische Gürtel oder Kopfbedeckungen bei fast keiner.


Das Buch der Schatten ist für Hexen ebenfalls ein wichtiges Instrument. Es ist eine Art magisches Tagebuch in dem jede/r Wicca ihr / sein magisches Wissen festhält. Rezepte für Salben und Tränke, magische Formeln und Zaubersprüche, Wichtige Daten, Erkenntnisse und magische Erlebnisse und dergleichen. Einen Seelenspiegel findet man dort jedoch in den allermeisten Fällen leider nicht darin. Von einer ernsthaften Wicca wird aber erwartet, dass sie ihr bisheriges Leben genau kennt, es aufschreibt und Probleme (etwa in der Kindheit, Beziehungen, Jugend etc.) aufarbeitet.

 

Ein weiteres Problem des modernen Hexentumes ist, dass es sich vielerorts kaum noch betreiben lässt. Wicca & Hexentum sind Naturreligionen, in einer Welt in der die Natur schwindet. Ähnlich des Schamanentums gibt es heute eine Menge Asphalthexen die einen Hirsch nicht von einem Elch unterscheiden können und noch nie in einem Wald waren. Die Naturverbundenheit in europäischen Ländern zu leben kann sehr schwierig werden, vor allem wenn man in Grossstädten lebt. Auch die grundsätzliche Einstellung des Hexentumes zu Nacktheit, Sexualität und Menstruation können in der europäischen Kultur für angewiderte Blicke, verständnislosses Gaffen und Strafanzeigen führen.

 

Auch finden sich einige interessante Paralellen des Hexentumes im Hinduismus - etwa der "Dreifaltigkeits"glaube von Erschaffen, Bewahren, Vernichten. In der Hexenreligion sind das die weisse Göttin - das junge, ungestüme, jungfräuliche Mädchen, die rote Göttin - die sexuell aktive, erotische Frau und gebärende Mutter die neues Leben bringt und gebiert, und die schwarze Göttin - die alte, weise Frau die das Leben beendet. Vergleich Vishnu, Brahma, Shiva die in gewissem Maß als männliche Gegenstücke gesehen werden könnten.

 

Auch wenn im Hexentum eigentlich kein ausgeprägtes Hierarchiedenken herrscht (also keine klare Befehlskette) so ist man sich doch vielerorts einig, dass es eine matriarchalische Religion ist, sprich die Frau im Zentrum steht und die wichtigste Figur ist, da sie ja die Kinder in sich nährt, austrägt und gebärt. Der Mann in seiner Rolle als Lebensspender der den Prozess erst ins Laufen bringt wird dabei meist als unwesentlicher Bestandteil der Natur betrachtet.

 

Es gibt aber auch die eher keltisch orientierten Hexen bei denen es klare Rollenverteilungen gibt, was Mann und was Frau zu tun und zu lassen hat, aber beide Geschlechter als gleichwertig empfunden und eingestuft werden.

 

Leider ist auch im Hexentum das Grundproblem vieler spiritueller und religiöser Bewegungen des 20. Jahrhunderts aufgetreten. Die absolute Mehrheit der Anhänger (über 90%) hat nicht einmal die Grundlagen ihrer Religion / Magie / Weltanschauung verstanden aber nennt sich vollwertig und ist überzeugt zu tun was das wahre Hexentum ist. Woran man das erkennen kann? Ein kurzer Leitfaden einer Hexe:

 

Wir Hexen folgen unserer großen Urgöttin - wir wollen zurück zu Natur und Liebe und Freude in die Welt bringen

Wir achten jedes Lebewesen, Mensch, Tier, Pflanzen...
Toleranz "mach, was Du willst, aber schade niemanden und nichts damit"
Helfen, wenn andere in Not sind
Wir singen, tanzen und lachen gern (Lebenslust)
Können anderen durch unsere Kenntnisse (Kartenlegen, Traumdeutung, Astrologie, Kräuterkunde...) und unsere Gaben (Kontakt zu Naturwesen, Rituale, Heilmagie) bei ihrem Lebensweg behilflich sein
Respekt vor allen Religionen.
Wir zwingen niemanden unsere Religion auf
Wir bemühen uns um Harmonie
Wir lieben das Licht und kehren dem Schwarzen den Rücken zu

 

Zum Abschluss bleibt zu unterstreichen, dass Wicca und Hexentum sehr verschieden sind. Es sind zwar beides Naturreligionen die das Leben in allen Phasen und Formen achten, doch die einen folgen einer Jahrtausende alten Tradition der Naturverbundenheit und Freiheit, die anderen einem jungen Fantasykult der eher eine Parodie auf die alten Wege darstellt. Hexe kann im Prinzip jede Frau werden sofern sie den Glauben annimmt und lebt, Wicca nur wenn man einem entsprechenden Zirkel beitritt. Echte Hexen sind weise Frauen, die gutmütigen, duldsamen Mütter in der Gesellschaft die sich um ihre Nächsten kümmern.

 

vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit

- David