Raja Yoga ist für den Inder das, was die Hermetik für den westlichen Magier ist. Eine Zusammenfassung vieler Yoga Praktiken und Techniken, eine gleichmässige Schulung aller Aspekte des Yoga. Daher heisst es auch Raja Yoga "Königs Yoga" oder "Königspfad"
Das Raja Yoga ist die langwierigste, schwierigste und komplizierteste Yoga Richtung aber auch diejenige, welche die grössten Gaben mit sich bringt, wenn man nur ernsthaft an sich arbeitet.
Der Königspfad wird in 8 Stufen unterteilt:
1. Die 5 Enthaltungen (Yama):
- Ahimsa, Gewalt verzicht, Abwendung von Gewalt, nicht töten, Freundlichkeit, das Leben heiligen. Darunter versteht man eben, jegliche Gewalt zu vermeiden und nicht absichtlich den Tod eines Wesens herbeizuführen. Es ist aber, im Gegensatz zum Buddhismus, kein Verbrechen wenn man etwa den Garten umgräbt und dabei versehentlich einen Wurm tötet. Es geht um den bewussten Verzicht auf Gewalt und alles was damit im Zusammenhang steht - daher wird vom Raja Yogi auch eine vegetarische Ernährung gefordert, also ein Verzicht auf Fleisch in jeglicher Form.
- Satya, der Verzicht auf Lüge und Unwahrheit. Gemeint ist, der Yogi darf nur die Wahrheit sprechen, alle seine Handlungen müssen der Wahrheit entsprechen und sein Denken darf nur Wahrheit beinhalten.
- Asteya, der Verzicht auf Diebstahl. Damit ist nicht nur das entwenden materieller Güter gemeint, sondern auch geistiger Güter. Gedankengut, fremde Federn und dergleichen sind tabu.
- Brahmacharya, der Verzicht auf Dinge welche der Weisheit nicht förderlich sind. Gemeint sind sämtliche Leidenschaften und Gelüste welche zu Ausschweifungen führen können wie Alkohol, Drogen, Sexualität, Streit und dergleichen. Jedes Tun des Yogis sei auf die Weisheit ausgerichtet. Es wird nicht direkt Verboten etwa Sex zu haben aber es ist Maß zu halten. Wobei im indischen Yoga hier ein klares Gebot zur Enthaltsamkeit gesehen wird.
- Aparigraha, der Verzicht auf "zugreiffen" gemeint ist der bewusste Verzicht auf Geschenke, Geld oder andere Entlohnungen. Auch soll man eine günstige Gelegenheit nicht ausnutzen und natürlich auch nicht seine Mitmenschen.
2. Die 5 Verhaltensregeln (Niyama)
- Shauca, Reinheit. Körperlich ist damit eine gute Körperhygiene gemeint, aber auch seelische und geistige Reinheit "Unschuld" für den Europäer ist zu bewahren, dass man nichts negatives fühle oder denke. Die körperlichen Übungen des Yoga sollen dazu verhelfen.
- Samthosha, Bescheidenheit. Damit ist gemeint, dass man mit allen Lagen zufrieden sein soll, keine Erwartungen hegen soll sondern das Leben nehmen soll wie es kommt. Nicht über Misserfolge zu jammern sondern sie als Lernchancen dankbar anzuehmen. Es bedeutet auch sich nicht mit anderen Personen zu vergleichen.
- Tapas, den Körper fit halten. Bedeutet sich nicht gehen zu lassen sondern bewusst auf seinen Körper zu achten - die Ernährung, die Atmung, die körperlichen Übungen und natürlich etwas Sport.
- Svadhyaya, Selbststudium. Gemeint ist Introspektion, sich selbst kennen lernen, das eigene Verhalten beobachten, hinterfragen, erkennen. In der Hermetik macht man dazu die Seelenspiegel. Im Yoga ständige und genaue Selbstbetrachtung sowie auch Studium der alten Schriften.
- Isvharapranidhana, Gottvertrauen und Gottesliebe. Hiermit ist gemeint, sein Bestes zu tun und den Rest in Gottes Hände zu legen. Egal was kommt, Gott wacht darüber und denkt sich etwas dabei. Man vertraue darauf, dass Gott alles so einrichtet, wie es sein soll.
3. Körperhaltungen (Asanas)
Gemeint sind hier ruhige Körperhaltungen, Meditationsstellungen (und eben nicht die sportlichen schnell wechselnden Übungen des westlichen "Yoga") Stellungen die Körper und Geist zur Ruhe kommen lassen und entspannen. Ins o einer Stellung verharrt der Yogi schonmal mehrere Stunden am Stück ohne sich zu bewegen. Diese Stellungen sollen Körper und Geist in Einklang bringen.
4. Bewusste Atmung (Pranayama)
Hiermit soll die Atmung ganz bewusst erfolgen, dass man dem Körper bewusst die Lebensenergie (Prana, Chi) zuführt und ihn so stärkt, belebt, gesund hält. Besonders im Hatha Yoga wird hierauf grossen Wert gelegt und angeblich erhält man dadurch grosse magische Kräfte. Wenn man diese Lebenskraftstauung bewusst macht stimmt dies auch, besonders bei Heilungen.
5. Rückzug aus der Welt (Pratyahara)
Damit ist nicht zwangsläufig ein Einsiedlerleben gemeint, auch wenn es oftmals so interpretiert wird. Gemeint ist vielmehr ein Abwenden von allem, das von sich selbst ablenkt. Eine innere Einkehr, Konzentration auf sich selbst, das innere selbst. Innere Ruhe, geistige Ruhe. Weg von den Ablenkungen (Fernsehen, Strassenlärm etc) und hin zum inneren Selbst.
6. Konzentration auf nur einen Gedanken (Dharana)
Ist eine geistige Übung welche unnötiges Denken ausschalten soll. Man konzentriert sich bewusst auf einen einzigen Gedankengang, eine Idee, ein Bild oder die Leere und verscheucht bewusst alle sich aufdrängenden Gedanken bis sie nicht mehr auftreten.
7. Meditation (Dhyana)
Hiermit ist die Fokussierung des geistigen Selbst gemeint, das Einswerden mit der eigenen geistigen Energie die nicht von Leidenschaften, Trieben, Gelüsten und Emotionen umhergeworfen wird sondern stabil IST. Es ist ein Bewusstwerden des Selbst, eine Konzentration auf das Selbst, welches beobachtet. Bewusst - Sein steht hier im Vordergrund.
8. Erleuchtung (Samadhi)
Meint das völlige Aufgehen im Objekt über das man meditiert. Ein höheres Bewusstsein (Bewusstseinsversetzung) indem man sich zugleich als das Objekt als auch als sich selbst fühlt und die Verbundenheit zwischen sich und em Objekt spürt.
In der Yoga Lehre gibt es 3 Stufen der Erleuchtung. Die erste Stufe ist eine einfache, kurzfristige Bewusstseinsversetzung in den Gegenstand welcher spirituell nutzlos ist.
Die zweite Stufe ist eine Trance bei der man sich selbst völlig vergisst.
Die 3. Stufe ist das zusammenfliessen des Selbst mit dem Objekt, wodurch man zum Objekt wird.
vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit
- David

