Geistige Übungen zielen darauf ab, die Konzentration, Willenskraft, Imaginationskraft und den Glauben zu stärken, kurz, alles was man in der Magie benötigt, in der ja vor allem (aber bei weitem nicht nur) mit dem Geist gearbeitet wird.

Generell empfiehlt es sich diese Übungen im Sitzen, am besten im Pharaositz (in den körperlichen Übungen erläutert) durchzuführen. Im liegen zu meditieren ist zwar auch möglich aber man läuft sehr leicht Gefahr einzuschlafen. Man kann sich auch das Gesicht oder den Oberkörper mit kaltem Wasser abreiben um wach zu bleiben, tiefe Atemzüge nehmen oder vor der Meditation den Kreislauf mit etwas Sport in Wallung bringen. Man kann auch starken Kaffee trinken etc. Ich selbst bevorzuge jedoch den Pharaositz, ich bin in der Haltung stets entspannt aber noch nie eingeschlafen.

 

Bardon gibt in seinen Werken sehr viele Übungen vor die sich herausragend eignen und von denen ich manche hier anführen möchte, Schwierigkeitsgrad steigend:

 

1. Gedankenbeobachtung:

In dieser Übung schliessen sie die Augen und lassen die Gedanken auf sie einstürmen. Lassen sie jeden Gedanken zu der in ihr Bewusstsein kommt, egal wie abscheulich oder schön er sein mag. Halten sie keinen Gedanken fest sondern lassen sie die Gedanken kommen und gehen wie diese es wollen. Es gleicht dem Status den man normalerweise vor dem Einschlafen hat. Aber dieses Mal versuchen sie die Gedanken genau zu beobachten. Urteilen sie nicht, bewerten sie nicht, halten sie nicht fest und halten sie nicht auf. Lassen sie die Gedanken fliessen und sehen sie sich jeden davon an als wären sie ein unbeteiligter Zuschauer.

Nach 5 - 10 Minuten (Bardon empfiehlt dass man 10 Minuten genau beobachten kann ehe man zur nächsten Übung wechselt) beenden sie die Übung. Jetzt kommt Schritt 2 - versuchen sie JEDEN Gedanken der ihnen ins Bewusstsein kam wieder ins Bewusstsein zu rufen. Als würden sie einen gesehenen FIlm noch einmal im Gedanken durchgehen. Versuchen sie jedes Detail, jeden kleinen Gedanken, in der richtigen Reihenfolge, nachzudenken. Am Anfang ist das sehr schwer und wird kaum gelingen. Nach einigen Übungen werden die Gedanken geordneter und nicht so zahlreich auftreten und es wird leichter sich aller Details zu entsinnen.

 

2. Gedankenbeherrschung:

Man wähle einen zusammenhängenden Gedankengang den man versucht, 5 - 10 Minuten ohne Abschweifen und ohne Störung durch andere Gedanken zu verfolgen. Auch hier empfihelt Bardon 10 Minuten der totalen Konzentration auf einen Gedankengang, wobei alle störenden Gedanken im Keim erstickt werden, ehe man zur nächsten Übung weitergeht.

Was der Gedankengang ist, spielt dabei keine grosse Rolle. Man kann einen Spaziergang machen, eine Kirche besuchen, einen Film im Geiste ansehen, Zärtlichkeiten austauschen, ein Buch in Erinnerung rufen, eine Melodie verfolgen. Wichtig ist nur, dass der Gedankengang aufrecht erhalten wird. Wer es schwierig mag kann auch ein Standbild imaginieren oder eine sich stetig wiederholende Sequenz wie ein Tänzer der sich um die Eigene Achse dreht. Da dieser Gedankengang schnell langweilig wird, ist es schwieriger anstürmenden Gedanken standzuhalten. Es empfiehlt sich auch positive Gedankengänge zu verfolgen und keine Gedanken an Rache und dergleichen.

 

3. Gedankenleere:

Eine Übung die es in sich hat. Bis ich sie wirklich beherrschte vergingen fast 3 Jahre. Ziel der Übung ist es 10 Minuten lang an GAR Nichts zu denken. Man versucht Anfangs jeden sich aufdrängenden Gedanken im Keim zu ersticken und abzuwürgen. Später kann man dazu übergehen sich bewusst abzulenken und sich etwa auf die eigene Atmung (Empfindung und Geräusch) ohne Abschweife zu konzentrieren. Wer es schafft ganz ohne Hilfsmittel 10 Minuten in geistiger Ruhe zu verharren ohne dass Gedanken abgewürgt werden müssen, hat diese Übung gemeistert. Man kann aber auch schon früher zu den weiteren Übungen gehen.

 

4. Konzentration auf die einzelnen Sinne:

Man versucht jeden Sinn bewusst und rein geistig hervorzurufen und zu halten - etwa 5 Minuten pro Sinn. Wichtig ist, dass man den Sinn ALLEIN gebraucht. Beispiele:

Imaginieren sie eine Glocke die hin und her schwingt aber ohne die Glockenschläge zu hören. Erfahrungsgemäss beginnt man daher lieber mit Objekten die sowieso nur einen Sinn beanspruchen. Zum Beispiel können sie einen Löffel imaginieren - das Bild des Löffels der vor ihnen schwebt und daher nur den Seh - Sinn beansprucht.

Dann höre man ein Geräusch ohne die Quelle zu imaginieren (das Rauschen eines Flusses ohne einen Fluss vor sich zu sehen)

Dann fühle man zum Beispiel Hitze und Kälte oder Berührungen ohne ein Bild davon zu haben. Dann kann man Düfte riechen die nicht vorhanden sind und ohne ein bild dazu zu haben (mir fiel es Anfangs sehr schwer weshalb ich die Übung mit einem Bild begann (zum Beispiel einer Rose) bis ich den Duft erfasst hatte und dann erst liess ich das Bild der Rose verschwinden und hielt die Duftvorstellung aufrecht)

Und dann das selbe mit dem Geschmackssinn. Sehr schön wenn man gerne Erdbeeren isst - den Geschmack mag - aber die Erdbeersaison vorbei ist.

 

5. Konzentration auf mehrere Sinne:

Im Prinzip wie die Übung zuvor, nur diesmal beanspruche man 2 bis 5 Sinne zeitgleich. Das ist etwas schwierig da ja beide voll wahrgenommen werden sollen (bewusst sein sollen) bis ins Detail. So kann man jetzt einen Fluss imaginieren und dazu das Rauschen. Wer es schwieriger will kann dazu die Kälte des Wassers und seine Strömung an der Haut imaginieren. Wer es steigert kann dazu den Duft des Wassers / der Umgebung riechen und das Wasser auch Geschmacklich wahrnehmen.

Wer diese Übung beherrscht braucht nie wieder eine Urlaubsreise buchen. Wenn ich nach Hawaii will, hole ich es im Gedanken einfach zu mir. Wobei ich persönlich einsame verschneite Berggipfel oder tiefe verschneite Wälder wie es sie in Kanada gibt bevorzuge.

 

Mögen sie wachsen

- David